Notgroschen aufbauen: Short Facts im Überblick
- Der ideale Puffer: Empfohlen wird ein Betrag von 3 bis 6 Monatsgehältern oder Monatsausgaben als Richtwert.
- Der beste Ort: Ein separat geführtes Tagesgeldkonto ist die ideale Wahl, da es verzinst und jederzeit verfügbar ist.
- Einfacher Aufbau: Mit der 50-30-20-Regel und automatisierten Daueraufträgen kannst du dir schrittweise ein solides Polster ansparen.
Inhalte im Überblick
Notgroschen aufbauen: Ursprung der eisernen Reserve
Der Begriff „Notgroschen“ mag für uns heute etwas nostalgisch klingen, doch seine Bedeutung ist zeitlos. Er setzt sich aus den Wörtern „Not“ und „Groschen“, einer alten Münzbezeichnung, zusammen. Die Idee geht tatsächlich bis ins 16. Jahrhundert zurück, als ein vorausschauender Landesfürst einen speziellen „Notpfennig“ prägen ließ. Jeder seiner Untertanen musste diesen Pfennig als Rücklage für schlechte Zeiten besitzen. Auch wenn Pfennig und Groschen längst verschwunden sind, sind finanzielle Notfälle nach wie vor Teil unseres Alltags.
Dennoch: Laut einer Verbraucher-Umfrage der SCHUFA vom März 2024 verfügen rund 19 % der Menschen in Deutschland über keinerlei finanzielle Rücklagen. Dabei ist die Rücklage ein unverzichtbarer Teil deiner Finanzplanung und schafft finanzielle Unabhängigkeit.
Warum sich ein finanzielles Polster lohnt
Vielleicht denkst du, dass dein Girokonto ausreicht, um kleine Reparaturen zu bezahlen. Doch der Notgroschen erfüllt in deinem Leben Funktionen, die weit über das Bezahlen einer Rechnung hinausgehen. Er ist im Grunde eine Art Versicherung gegen unvorhergesehene finanzielle Schicksalsschläge. Denn es gibt immer wieder Momente, in denen das Leben plötzlich teuer wird. Klassische Beispiele dafür sind:
- Defekte im Haushalt: Die Waschmaschine gibt den Geist auf, der Kühlschrank kühlt nicht mehr oder der Boiler im Bad muss ersetzt werden.
- Technik-Pannen: Plötzlich ist der Laptop kaputt, den du dringend brauchst, oder dein Handy geht verloren oder wird gestohlen (wenn du ein HaspaJoker-Konto hast, lohnt sich ein Blick auf den Handy-Schutz).
- Mobilität: Am Auto blinkt das Warnlicht und eine teure Reparatur steht an, aber du bist auf das Fahrzeug angewiesen, um zur Arbeit zu kommen.
- Unerwartete Forderungen: Eine hohe Nebenkosten-Nachzahlung oder eine Steuernachforderung flattert in den Briefkasten.
- Berufliche Krisen: Plötzliche Erwerbslosigkeit oder, im Falle von Selbstständigkeit, das Wegbrechen wichtiger Aufträge.
Rücklagen für mehr Freiheiten
Ein entscheidender Vorteil der Reserve ist der Schutz deiner anderen Geldanlagen. Ohne müsstest du im Ernstfall vielleicht deine Altersvorsorge „anknabbern“ oder dein Depot auflösen. Dein Notgroschen verhindert also, dass du deine langfristige Strategie aufgrund einer kurzfristigen Krise über den Haufen werfen musst. Zudem bewahrt er dich davor, in die Schuldenfalle zu tappen oder Kredite, wie den Dispokredit, in Anspruch nehmen zu müssen.
Höhe des Notgroschens
Die Frage nach der richtigen Höhe einer Rücklage ist sehr individuell und hängt von deinem persönlichen Sicherheitsbedürfnis sowie deiner Lebenssituation ab. Empfohlen wird, einen Betrag in Höhe von 3 bis 6 Monatsgehältern (netto) bzw. Monatsausgaben für Krisenzeiten zurückzulegen. Mit Fokus auf den Ausgaben ist die Berechnung exakter, da sie nur das berücksichtigt, was du im Ernstfall wirklich zum Überleben brauchst. Hierbei ist es auch wichtig, auch jährlich anfallende Fixkosten wie Versicherungen oder Steuern anteilig einzukalkulieren.
Individuelle Faktoren beeinflussen den Betrag
Dein Bedarf an Sicherheit ändert sich mit deinen Lebensumständen:
- Singles: Wenn du allein lebst und keine großen Verpflichtungen hast, reicht oft eine Notreserve von 2 bis 3 Netto-Monatsgehältern aus.
- Familien: Mit Kindern steigen entsprechend die unvorhergesehenen Kosten. Empfehlenswert ist entsprechend ein höherer Puffer von 3 bis 6 Monatsgehältern.
- Wohnsituation: Besitzt du eine Immobilie, solltest du deutlich mehr zurücklegen als Mieter:innen, da Reparaturen am Haus (wie Heizung oder Dach) sehr kostspielig sein können.
Notgroschen-Rechner
Berechne, wie viel Notgroschen du für 3-6 Monatsausgaben brauchst und wie lange du dafür sparen musst.
* Berechnung ohne Zinsen. Sicherheitsziel ist flexibel einstellbar.
Wo du dein Geld am besten aufbewahrst
Damit dein Notgroschen seinen Zweck erfüllt, muss er 3 Bedingungen erfüllen: Er muss jederzeit verfügbar, sicher und vom Alltagskonto getrennt sein!
Das Tagesgeldkonto: Der klare Favorit
Ein Tagesgeldkonto gilt meist als die beste Option für die eiserne Reserve. Es bietet dir:
Warum andere Orte weniger geeignet sind
Andere Aufbewahrungsorte erfüllen die Anforderungen an einen Notgroschen nur unzureichend. Auf deinem Girokonto besteht die Gefahr, dass du das Geld zweckentfremdest, da es sich mit den laufenden Einnahmen und Ausgaben vermischt und unbemerkt für den Alltag genutzt wird. Bargeld zu Hause, etwa im Sparschwein, ist ebenfalls keine gute Lösung, da es bei Einbruch oder Diebstahl gar nicht oder nur sehr eingeschränkt versichert ist. Auch Festgeldkonten sind für den Notgroschen ungeeignet, denn obwohl sie als sicher gelten, ist das Geld durch die feste Laufzeit im Ernstfall nicht schnell genug verfügbar.
Schritt für Schritt: So baust du dir dein Polster auf
Der Aufbau einer Rücklage kann gerade bei hohen Lebenshaltungskosten eine Herausforderung sein. Wir zeigen dir bewährte Strategien, mit denen du es schaffen kannst.
Überblick gewinnen und Schulden abbauen
Bevor du sparst, solltest du deine Einnahmen und Ausgaben in einem Haushaltsbuch oder Budgetplan erfassen. Identifiziere dafür unnötige Ausgaben und optimiere deine Kosten. Ganz wichtig: Konzentrier dich zunächst auf deinen Schuldenabbau, bevor du Geld zur Seite legst.
Mit der 50-30-20-Regel sparen
Eine hilfreiche Struktur bietet die 50-30-20-Regel:
- 50 % deines Einkommens fließen in Fixkosten (Miete, Lebensmittel).
- 30 % sind für Freizeit und persönliche Wünsche gedacht.
- 20 % werden für das Sparen und den Vermögensaufbau reserviert. Sollte das zu ambitioniert sein, kannst du auch kleiner starten – zum Beispiel mit 5 % bis 10 % deines Nettoeinkommens.
50-30-20-Budgetrechner
Teile dein monatliches Nettoeinkommen nach der bewährten 50-30-20-Regel auf.
* Die 50-30-20-Regel ist eine Richtlinie und kann individuell angepasst werden.
Routine und Sonderzahlungen nutzen
Automatisierung ist der Schlüssel zu einem soliden Notgroschen. Richte einfach einen Dauerauftrag ein, der direkt nach dem Gehaltseingang einen festen Betrag auf dein Tagesgeldkonto überweist. So wird das Sparen zur Routine, und du kommst gar nicht erst in Versuchung, das Geld auszugeben. Zusätzlich kannst du Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld, Steuerrückerstattungen, Boni oder Geldgeschenke gezielt einsetzen, um deinen Notgroschen in größeren Sprüngen aufzustocken und schneller finanzielle Sicherheit aufzubauen.
Dranbleiben, Ruhe bewahren und wieder auffüllen
Ein Notgroschen ist keine Einmal-Aktion. Wenn du ihn für einen Notfall angreifen musstest, sollte dein nächstes Ziel sein, ihn zeitnah wieder auf die ursprüngliche Höhe aufzufüllen. Und wenn am Monatsende kaum etwas übrig bleibt, ist das kein persönliches Versagen, sondern oft schlicht der aktuellen Situation geschuldet. In diesem Fall muss dein Ziel nicht sofort der „perfekte“ Notgroschen sein. Ein kleiner Mini-Puffer von 500 bis 1.000 € kann bereits einen großen Unterschied machen und erste Sicherheit bei Notfällen geben. Der Fokus liegt dann nicht auf Perfektion, sondern auf Stabilisierung. Sobald sich deine finanzielle Lage entspannt, kannst du deinen Notgroschen Schritt für Schritt weiter ausbauen.
Typische Fehler beim Notgroschen aufbauen
Beim Aufbau eines Notgroschens schleichen sich häufig Denkfehler ein, die den Fortschritt unnötig bremsen oder das Sicherheitsgefühl untergraben. Ein häufiger Fehler ist es, den Notgroschen für Konsumausgaben zu nutzen, nur weil das Geld „gerade da“ ist. Dadurch verliert die Rücklage ihren eigentlichen Zweck und steht im Ernstfall nicht mehr zur Verfügung. Ebenso problematisch ist es, den Start immer weiter aufzuschieben, weil du glaubst, erst sparen zu können, wenn am Monatsende ausreichend Geld übrig bleibt. In der Praxis funktioniert es meist genau andersherum: Erst das konsequente Zurücklegen schafft finanziellen Spielraum.
Fazit: Dein Weg zu mehr finanzieller Sicherheit
Der Notgroschen ist das unverzichtbare Fundament deiner Finanzen. Er schützt dich vor den kleinen und großen Katastrophen des Alltags und bewahrt deine langfristige Planung vor dem Scheitern.
Das kannst du heute tun:
- Berechne deine monatlichen Fixkosten.
- Lege eine Zielsumme fest (zum Beispiel 3 Monatsausgaben).
- Eröffne ein separates Tagesgeldkonto, falls du noch keines hast.
- Starte deinen Dauerauftrag – egal, wie klein der Betrag am Anfang ist.
Bedenke: Ein Notgroschen ist kein statischer Betrag, den man einmal festlegt und dann für immer vergisst. Durch Inflation steigen Lebenshaltungskosten im Laufe der Zeit, wodurch sich auch der tatsächliche Finanzbedarf im Notfall erhöht. Deshalb ist es sinnvoll, den Notgroschen regelmäßig zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen. Spätestens bei Veränderungen in deiner Lebenssituation – etwa einer Gehaltserhöhung, einem Umzug mit höheren Fixkosten oder der Gründung einer Familie – solltest du deine Rücklage neu bewerten. So stellst du sicher, dass dein finanzielles Polster auch in Zukunft seinen Zweck erfüllt und du deinen Lebensstandard weiter halten kannst.
FAQ: Die wichtigsten Fragen zur finanziellen Reserve
Was ist ein Notgroschen und wofür brauche ich ihn?
Ein Notgroschen ist eine finanzielle Rücklage für unvorhergesehene Ausgaben wie Reparaturen, plötzliche Rechnungen oder Einkommensausfälle. Er dient als persönlicher Sicherheitsairbag und sorgt dafür, dass du in stressigen Situationen handlungsfähig bleibst, ohne Schulden machen oder langfristige Geldanlagen auflösen zu müssen.
Wie hoch sollte mein Notgroschen idealerweise sein?
Als Faustregel gelten 3 bis 6 Monatsgehälter oder Monatsausgaben. Welche Variante für dich sinnvoller ist, hängt von deiner Lebenssituation, deinem Sicherheitsbedürfnis und der Stabilität deines Einkommens ab. Wer auf Nummer sicher gehen möchte oder selbstständig ist, sollte eher am oberen Ende der Spanne planen.
Wo bewahre ich meinen Notgroschen am besten auf?
Am besten eignet sich ein separates Tagesgeldkonto. Dort ist dein Geld sicher, jederzeit verfügbar und zumindest leicht verzinst. Wichtig ist, dass du den Notgroschen nicht auf deinem Girokonto parkst, damit du ihn nicht versehentlich für alltägliche Ausgaben nutzt.
Gibt es einen Mindestbetrag, den ich zurücklegen sollte?
Ja, auch ein kleiner Notgroschen ist besser als gar keiner. Bereits eine Rücklage von 500 bis 1.000 € kann viele kleinere Notfälle abfedern und verhindern, dass du auf teure Kredite oder den Dispokredit zurückgreifen musst. Dieser Betrag kann als erster Meilenstein dienen, den du später Schritt für Schritt zu einer vollständigen eisernen Reserve ausbaust.
Kann ich meinen Notgroschen gemeinsam mit meinem Partner oder meiner Familie ansparen?
Ein gemeinsamer Notgroschen kann sinnvoll sein, wenn ihr einen Haushalt teilt und gemeinsame Fixkosten habt. Wichtig ist, dass klar definiert ist, wofür die Rücklage genutzt werden darf und wie hoch sie sein soll. Zusätzlich kann es dennoch sinnvoll sein, kleinere persönliche Rücklagen zu behalten, um auch individuelle Ausgaben oder Notfälle unabhängig abdecken zu können.





