Mehrgenerationenwohnen: Zahlen im Überblick
- Rund 17 Millionen Menschen leben alleine: Gemeinschaftliches Wohnen wird dadurch immer attraktiver.
- Etwa ein Drittel aller Haushalte enthält mindestens eine Person ab 65 Jahren, viele leben jedoch nicht mit jüngeren Generationen zusammen.
- Rund 4,9 Millionen Pflegebedürftige werden zu Hause betreut; in über 3 Millionen Fällen übernehmen Angehörige die Versorgung selbst.
Inhalte im Überblick
Was ist eigentlich ein Mehrgenerationenhaus?
Vielleicht hast du beim Hören dieses Begriffs noch das alte Bild im Kopf: Alle hocken in einer Stube, private Rückzugsräume sind kaum vorhanden. Doch das moderne Mehrgenerationenhaus sieht anders aus. Per Definition leben hier mindestens 2 Generationen unter einem Dach. Das können die Großeltern, Eltern und Enkel:innen sein, aber das Konzept ist heute viel offener. Auch Freund:innen, andere Familienmitglieder oder einfach Gleichgesinnte können eine solche „Wahlfamilie“ bilden. Im Kern geht es um ein freiwilliges Zusammenleben mehrerer unabhängiger Personen unterschiedlichen Alters. Dabei ist das Ziel klar definiert: Es entsteht eine Wohngemeinschaft, in der sich die Bewohner:innen gegenseitig unterstützen, also ein Geben und Nehmen zwischen Jung und Alt.
Unterscheidung: Wohnprojekt vs. offener Treff
Bevor wir tiefer einsteigen, müssen wir kurz 2 Dinge trennen. Es gibt nämlich:
- Das Mehrgenerationenhaus als Wohnform: Hier wohnen Menschen wirklich zusammen, oft in eigenen Wohnungen im Mehrgenerationenhaus. Sie teilen sich Gemeinschaftsflächen wie den Garten oder eine Werkstatt.
- Das Mehrgenerationenhaus als soziale Einrichtung: Das ist eine vom Bund geförderte Begegnungsstätte. Hier wohnt niemand, sondern ist vielmehr ein offener Treffpunkt für Nachbarschaftshilfe, Cafés oder Dienstleistungen.
In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf die erste Variante, das Mehrgenerationenhaus als Wohnprojekt, in dem du tatsächlich lebst.
Finanzielle Vorteile eines Mehrgenerationenhauses
Steigende Baupreise und hohe Grundstückskosten machen das Mehrgenerationenwohnen aktuell für viele Familien finanziell attraktiv. Denn wenn mehrere Parteien gemeinsam planen, verteilen sich die Kosten auf mehrere Schultern und Projekte werden möglich, die für eine einzelne Familie oft zu teuer wären.
Baukosten und laufende Kosten gemeinsam stemmen
Wenn ihr ein Mehrgenerationenhaus plant, könnt ihr die Kosten für das Grundstück und den Bau teilen. Das kann besonders in Regionen mit hohen Immobilienpreisen wie Hamburg von Vorteil sein. Zudem kann der Unterhalt eines größeren Hauses pro Haushalt günstiger sein als 2 getrennte Immobilien, da sich die Kosten für ein effizientes Heizsystem oder die Außenfläche beispielsweise pro Wohneinheit teilen lassen.
Fördermöglichkeiten für Mehrgenerationenhäuser
Unter bestimmten Voraussetzungen können staatliche Förderprogramme, zum Beispiel über die KfW, genutzt werden. Meist ist dabei entscheidend, dass mehrere eigenständige Wohneinheiten entstehen und energetische Standards eingehalten werden. Welche Förderung möglich ist, hängt stark vom konkreten Bauprojekt ab. Wir empfehlen dir daher, dich frühzeitig von deiner Bank oder Energieexpert:innen beraten zu lassen!
Soziale Gewinne: Mehrere Generationen unter einem Dach
Geld ist wichtig, doch Lebensqualität lässt sich nur schwer in Zahlen messen. Einsamkeit wird in Deutschland zunehmend zum Thema und betroffen sind nicht nur ältere Menschen, sondern überraschend oft auch junge Erwachsene. Das generationsübergreifende Wohnen kann hier ein starkes Gegengewicht bilden.
Win-Win für Eltern und Großeltern
Ein Mehrgenerationenhaus mit den eigenen Eltern kann den Alltag deutlich erleichtern. Berufstätige Eltern profitieren davon, dass die Großeltern oft spontan bei der Kinderbetreuung aushelfen können. Das spart nicht nur Kosten, sondern stärkt in der Regel auch die Beziehung zwischen Enkel:innen und Großeltern. Gleichzeitig profitieren viele Senior:innen davon, aktiv eingebunden zu bleiben. Wer gebraucht wird, bleibt oft länger körperlich und mental fit. Steigt später der Pflegebedarf, ist familiäre Unterstützung in unmittelbarer Nähe möglich. Einkäufe, kleine Reparaturen oder einfach Gesellschaft lassen sich so leichter organisieren. Dadurch kann ein Umzug in eine stationäre Pflegeeinrichtung häufig zumindest hinausgezögert werden.
Voneinander lernen
Beim Mehrgenerationenwohnen findet ein ständiger Austausch statt. Jüngere helfen beispielsweise bei technischen oder digitalen Themen, während Ältere ihre Lebenserfahrung und Gelassenheit weitergeben. Kinder wachsen mit unterschiedlichen Perspektiven auf und lernen früh, Rücksicht zu nehmen, hilfsbereit zu sein und auch soziale Kompetenz zu entwickeln.
Nachteile und Herausforderungen: Wo es knirschen kann
In einem Mehrgenerationenhaus ist natürlich nicht immer alles harmonisch. Das Zusammenleben mehrerer Generationen birgt Herausforderungen, insbesondere, wenn Erwartungen und Absprachen nicht eindeutig definiert sind. Deshalb ist es wichtig, auch die Nachteile ehrlich abzuwägen.
Konfliktpotenzial Nr. 1: Einmischung und Erziehung
Ein Klassiker im Familienalltag: Die Großeltern verwöhnen die Enkel:innen, während die Eltern versuchen, Regeln durchzusetzen. Unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung, Ordnung oder Alltagsgewohnheiten sorgen schnell für Reibungen. Werden gut gemeinte Ratschläge als Kritik aufgefasst, kann das Zusammenleben spürbar belastet werden.
Privatsphäre vs. Gemeinschaft
In einem Mehrgenerationenhaus herrscht durchgehend reges Treiben. Das vermittelt Sicherheit und Nähe, kann aber auch dazu führen, dass der Rückzug schwerer fällt. Wer viel Ruhe braucht, sollte sich dessen bewusst sein, denn das Leben in einer Hausgemeinschaft wird maßgeblich von den Mitbewohner:innen geprägt. Auch Geräusche können zum Thema werden, beispielsweise wenn Kinder früh morgens spielen oder der Fernseher nebenan laut läuft.
Abhängigkeiten und Pflichtgefühl
Viele Familien möchten sich gegenseitig unterstützen, insbesondere, wenn die Eltern pflegebedürftig werden. Dieser Wunsch ist verständlich, wird aber häufig unterschätzt. Pflege ist sehr zeitintensiv und kann sowohl körperlich als auch emotional belasten. Oft trägt vor allem die mittlere Generation einen großen Teil dieser Verantwortung. Zusätzlich kann es schnell zu Spannungen kommen, wenn sich einzelne Familienmitglieder stärker einbringen als andere.
Komplexität bei Planung und Organisation
Das Projekt eines Mehrgenerationenhauses startet man nicht mal eben so. Die Planungszeit ist länger, da viele verschiedene Bedürfnisse berücksichtigt werden müssen. Zudem besteht die Gefahr von Streitigkeiten bei baulichen Entscheidungen, die das Projekt verzögern können. Auch rechtlich ist es komplexer: Oft müssen Verträge anwaltlich geprüft werden, um Eigentumsverhältnisse und Nutzungsrechte klar zu regeln.
Voraussetzungen und praktische Tipps: So gelingt das Miteinander
Damit Mehrgenerationenwohnen langfristig funktioniert, braucht es klare Strukturen. Ein Haus läuft meist besser, wenn es nicht als „eine große Familie in einem Zimmer“, sondern eher wie eine gut organisierte Wohngemeinschaft mit Herz funktioniert. Die Architektur spielt dabei eine entscheidende Rolle. Einfach enger zusammenzurücken, reicht meist nicht aus.
Rückzugsorte schaffen: In vielen erfolgreichen Projekten hat jede Generation oder Partei eine eigene, möglichst abgeschlossene Wohnung. Das sorgt für Privatsphäre. Gemeinschaftsbereiche wie Garten oder Wohnzimmer dienen dann als Treffpunkt.
Barrierefreiheit früh mitdenken: Wer langfristig plant, sollte das Haus altersgerecht gestalten. Stufenlose Zugänge, breite Türen oder die Möglichkeit für einen Treppenlift erleichtern später den Alltag und vermeiden teure Umbauten.
Ausreichend Platz einplanen: Jede Partei braucht genügend Wohnfläche, um sich zurückziehen zu können. Zu enge Wohnverhältnisse gehören zu den häufigsten Ursachen für Konflikte.
Klare Regeln und Kommunikation
Ohne klare Absprachen funktioniert das Mehrgenerationenwohnen selten reibungslos. Ein gewisser Organisationsaufwand ist unvermeidlich. So sollte beispielsweise früh geklärt werden, wer sich um die Reinigung, die Gartenpflege oder die Nutzung gemeinsamer Räume wie Waschmaschine und Wohnzimmer kümmert. Ebenso wichtig ist es, die Erwartungen offen zu besprechen, denn nicht alle Großeltern möchten dauerhaft Kinder betreuen oder Pflegeaufgaben übernehmen. Offene Kommunikation, Kompromissbereitschaft und regelmäßiger Austausch sind oft sogar wichtiger als finanzielle Fragen.
Rechtliche und organisatorische Aspekte
Bei der Planung eines Mehrgenerationenhauses sollten rechtliche und organisatorische Fragen früh geklärt werden, um ein harmonisches Zusammenleben zu gewährleisten. Ein entscheidender Punkt ist beispielsweise die Frage, ob gemeinsam Eigentum erworben oder ein Haus angemietet wird. Eigentum bietet langfristige Sicherheit, bedeutet aber auch, dass jeder die Verantwortung für Kosten, Renovierungen und Instandhaltung trägt. Mietmodelle sind flexibler, aber weniger planbar.
Besonders bei getrennten Wohneinheiten lohnt sich eine Teilungserklärung. Darin wird geregelt, wer welche Bereiche nutzt, wie die Kosten verteilt werden und wie Rücklagen gebildet werden. Das verhindert später Streitigkeiten und sorgt für rechtliche Klarheit. Auch Erbregelungen, Mitspracherechte und Auszugsmöglichkeiten sollten früh besprochen werden. Wer bleibt im Haus, wenn sich die Lebensumstände ändern? Zudem können interne Verträge innerhalb der Hausgemeinschaft hilfreich sein. Darin lassen sich Vereinbarungen zu Haushaltsaufgaben, Kinderbetreuung oder Kostenverteilung festhalten.
Gemeinsam leben: Ist das Mehrgenerationenwohnen etwas für dich?
Bevor du den Umzugswagen bestellst, solltest du dir folgende Fragen stellen:
Fazit: Eine Wohnform mit Zukunft, aber kein Selbstläufer
Das Mehrgenerationenhaus ist eine facettenreiche Antwort auf viele Probleme unserer Zeit: Es macht das Wohnen bezahlbarer, schützt vor Einsamkeit und erleichtert den Alltag durch gegenseitige Unterstützung. Romantik allein reicht dabei jedoch nicht aus. Die Vor- und Nachteile zeigen deutlich: Es braucht Toleranz, klare Grenzen und bauliche Voraussetzungen wie getrennte Wohnbereiche, damit aus dem Traum kein Albtraum wird. Wer bereit ist, Kompromisse einzugehen und die Kommunikation großzuschreiben, kann durch ein Mehrgenerationenhaus nicht nur Geld sparen, sondern sein Leben um Gemeinschaft, Unterstützung und wertvolle Erfahrungen bereichern!
Fragen und Antworten rund um das Thema Mehrgenerationenhaus
Was genau ist ein Mehrgenerationenhaus?
Ein Mehrgenerationenhaus ist ein Wohnmodell, in dem mindestens 2, oft 3 Generationen unter einem Dach leben. Dabei können die Wohnungen getrennt sein oder Bereiche gemeinschaftlich genutzt werden. Ziel ist gegenseitige Unterstützung, Kostenteilung und gemeinsames Miteinander.
Für wen eignet sich ein Mehrgenerationenhaus?
Ideal ist es für Familien, die Wert auf Nähe legen, ältere Angehörige unterstützen möchten oder Pflege und Kinderbetreuung leichter organisieren wollen. Wichtig ist, dass alle Beteiligten kompromissbereit sind und klare Regeln akzeptieren.
Welche Vorteile hat man davon?
- Gemeinsame Kosten für Grundstück, Bau oder Haushalt sparen Geld.
- Kinder profitieren von enger Bindung zu Großeltern.
- Einsamkeit wird reduziert, ältere Menschen bleiben aktiv eingebunden.
- Hilfe im Alltag (Einkäufe, Pflege, Reparaturen) ist direkt verfügbar.
Worauf sollte man bei der Planung achten?
Für ein harmonisches Zusammenleben ist eine gute Planung entscheidend. Jede Generation sollte über genügend Rückzugsräume verfügen, um ihre Privatsphäre zu wahren. Barrierefreie Zugänge sind wichtig, damit sich alle frei bewegen können – auch im Alter. Außerdem ist es wichtig, Erwartungen und Aufgaben im Alltag frühzeitig zu klären. Nicht zuletzt sollten rechtliche Fragen wie Eigentumsverhältnisse, Mietverträge, Teilungserklärungen oder Erbregelungen von Anfang an bedacht werden. So schafft man ein solides Fundament für ein entspanntes Miteinander.
Gibt es Förderungen oder finanzielle Hilfen?
Ja, unter bestimmten Voraussetzungen können KfW-Programme oder andere Förderungen genutzt werden – besonders bei energieeffizienten Neubauten oder altersgerechter Planung. Am besten solltest du früh mit deiner Bank oder Energieberater:innen sprechen.
Vor dem Umzug ist nach der Planung
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