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HASPA und MOPO suchen die "Bessermacher": Hier: Homayoon Pardis (40), Teamleiter MITmacher Foto: Florian Quandt

Bessermacher Homayoon Pardis: Vom Geflüchteten zum Wegbegleiter

Homayoon Pardis vermittelt bei „MITmacher“ Ehrenämter an Geflüchtete. Die Haspa Jungfernstieg hilft dabei.

Als Homayoon Pardis Anfang 2016 mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in ein Schlauchboot steigt, weiß er nicht, ob seine Familie die Nacht überleben wird. „Es war Platz für maximal 15 Personen. Wir waren etwa 70“, erinnert er sich. Heute, mehr als zehn Jahre später, sitzt der 40-Jährige im Büro der Organisation „MITmacher“ in der Altstadt und hilft anderen Geflüchteten durch die Vermittlung von Ehrenämtern beim Ankommen.

Homayoon Pardis kommt aus Afghanistan. Er hatte Literaturwissenschaften studiert und als Englischlehrer und Leiter für soziale Projekte gearbeitet. Zuletzt leitete er für die „International Organization for Migration“ (IOM) ein Programm, das junge Männer davon überzeugen sollte, sich nicht den Taliban anzuschließen. Irgendwann kamen die Drohungen. „Anfangs waren es Warnungen. Später wurden Kinder von Mitarbeitern entführt, Menschen verletzt oder getötet.“

Auch Homayoon erhielt Drohbriefe. Seine Frau Nadia und Tochter Parnian verließen das Haus nicht mehr. Die Familie schlief nur noch stundenweise. Schließlich entscheiden sie sich, ihre Verwandten zu verlassen und zu flüchten. Nachdem sie einige Wochen in der Türkei gewesen waren, setzten sie in einer stockdunklen Nacht zur griechischen Insel Kos über.

Es war windig, Wasser lief in das Schlauchboot. Seine Frau und die damals dreieinhalbjährige Tochter konnten nicht schwimmen. „Ich war wie von Sinnen vor Angst. Es waren die schlimmsten zwei Stunden unseres Lebens.“ Sie schafften es. Weiter ging es mit der Fähre, mit Bussen, Zügen und zu Fuß.

Helfen statt aufgeben

Das Ziel: Deutschland. Hier lebte Nadias Bruder. Nach der Ankunft in Hamburg landete die Familie in der Erstaufnahme am Hörgensweg (Eidelstedt), ein ehemaliger Baumarkt. Zwei Betten auf zwei Quadratmetern, getrennt durch Decken. Ständig Lärm, Streit und lange Warteschlangen vor Toiletten und Essensausgabe. Seine Tochter litt unter Albträumen und vertrug das deutsche Essen nicht. „Wir waren traurig und desillusioniert.“

Doch statt aufzugeben, begann Homayoon zu helfen. Er dolmetschte für den Arzt in der Unterkunft und unterstützte andere Bewohner. Dabei kämpfte er selbst um seine Zukunft. „Ich habe rund 100 Bewerbungen geschrieben.“ Erfolglos. Kein einziges Vorstellungsgespräch. Dann lernte er Anne Busch und Regina Fröhlich kennen und unterstützte sie bei der Gründung von „MITmacher“.

Im Magazin „Hamburgs Zukunftsmacher“ stellen wir stellvertretend für viele weitere 18 Projekte aus unserer Region vor, die die Haspa zum Teil bereits seit Jahren fördert.

Zukunftsmacher: Personen, die sich freuen

Integration durch ehrenamtliche Arbeit

Nach Jahren des ehrenamtlichen Engagements ist Homayoon heute in Teilzeit als Teamleiter angestellt bei der gemeinnützigen Unternehmergesellschaft (gUG), die Geflüchtete und Zugewanderte in Ehrenämter vermittelt. Viele Geflüchtete, derzeit größtenteils Frauen, kommen in das Büro an der Straße Bei den Mühren und bitten um ein Ehrenamt, weil sie sich integrieren wollen und das Leben in den Unterkünften oft eintönig ist.

„Viele sagen, sie wollen etwas zurückgeben.“ Doch die Bewerberinnen und Bewerber brauchen Geduld. Die Warteliste von Menschen, die sich engagieren wollen, ist lang. Homayoon sichtet die Anmeldungen und verteilt sie an sein Team weiter. Die acht Minijobberinnen begleiten zeitgleich mindestens 80 Geflüchtete.

Die Organisation vermittelt Ehrenamtliche an Vereine, Kitas, Kulturhäuser und soziale Einrichtungen. Rund 400 Einsatzstellen gehören inzwischen zum Netzwerk. Für Homayoon sind die schönsten Momente die Begegnungen mit ehemaligen Teilnehmenden. „Wenn jemand nach ein paar Monaten kommt und sagt: Ich habe eine Wohnung gefunden. Oder ich habe jetzt einen Job. Das macht mich sehr glücklich.“

Vom Geflüchteten zum Hoffnungsträger

Heute lebt der 40-Jährige mit seiner Frau, der mittlerweile 13-jährigen Parnian und ihrer in Deutschland geborenen Schwester (6) in Eilbek. Seine Frau arbeitet als Erzieherin in einer Kita und engagiert sich ehrenamtlich. Neben seiner Arbeit bei „MITmacher“ ist Homayoon auch noch in Teilzeit beim Kulturhaus Eidelstedt als Projektleiter angestellt.

Der Mann, der das Buch „Papa, warum sind wir hier?“ über seine Fluchtgeschichte geschrieben hat, ist sich sicher: „Das, was ich heute habe, habe ich dank des Ehrenamts.“ Sein größter Wunsch? „Dass meine Töchter in Deutschland ein glückliches Leben führen und das Beste aus beiden Kulturen vereinen.“ Der Mann, der einst mit seiner Familie vor den Taliban floh, ist heute für viele andere Geflüchtete zu einem Hoffnungsträger geworden.

HASPA und MOPO suchen die "Bessermacher": 
Homayoon Pardis (40), Teamleiter MITmacher, mit Haspa-Mitarbeiterin Sabine Holtmeier (re) und Stellvertreterin Ardelina Emini
HASPA und MOPO suchen die „Bessermacher“:
Homayoon Pardis (40), Teamleiter MITmacher, mit Haspa-Mitarbeiterin Sabine Holtmeier (re) und Stellvertreterin Ardelina Emini

Haspa Jungfernstieg unterstützt mit neuen Laptops

Bessermacher Eine Aktion von MOPO und HASPA

Gutes verdient Unterstützung. Mit der Aktion „Die Bessermacher“ wollen wir nicht nur engagierte Menschen zeigen. Die Projekte bekommen auch finanzielle Hilfe und langfristige Unterstützung. „MITmacher zeigt, dass Integration entsteht, wenn Menschen nicht nur Hilfe bekommen, sondern wenn sie die Chance erhalten, selbst etwas zu bewegen. Genau das macht diese Organisation für mich so besonders“, sagt Sabine Holtmeier. Die Filialdirektorin der Haspa Jungfernstieg übernimmt die Patenschaft für die gemeinnützige Unternehmergesellschaft. „MITmacher“ wird auch finanziell unterstützt. Die Organisation wünscht sich neue Laptops und IT-Software. Die Haspa kümmert sich um die Finanzierung aus den Mitteln des Haspa-Lotteriesparens.

Text: Wiebke Bromberg