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Lebensversicherung und Rentenversicherung: Frau im Rollstuhl Pexels / Marcus Aurelius

Alternative zur BU Ist eine Grundfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Stell dir vor, du kannst durch einen Unfall oder eine Erkrankung plötzlich nicht mehr richtig knien oder heben. Ein solcher Verlust der Grundfähigkeiten bringt meist schwerwiegende finanzielle Folgen mit sich. In diesem Ratgeber erfährst du, für wen eine Grundfähigkeitsversicherung eine Alternative zur BU darstellt.

Grundfähigkeitsversicherung: Short Facts im Überblick

  • Fokus auf Fähigkeiten, nicht auf den Beruf: Im Gegensatz zur Berufsunfähigkeitsversicherung schützt die Alternative nicht deinen konkreten Job, sondern sichert grundlegende Fähigkeiten ab.
  • Leichter Zugang: Die Gesundheitsprüfung fällt hier meist viel milder aus, was den Abschluss einer Grundfähigkeitsversicherung auch für Menschen mit Vorerkrankungen oder höherem Alter zu einer attraktiven Absicherung macht.
  • Bezahlbar: Vor allem für körperlich arbeitende Menschen, Pflegekräfte oder Blaulichtberufe ist sie oftmals eine erheblich günstigere Alternative zur klassischen Berufsunfähigkeitsversicherung.

Was ist eine Grundfähigkeitsversicherung überhaupt?

Die Grundfähigkeitsversicherung schützt dich als eine Art Fallschirm für deine essenziellen körperlichen und geistigen Kompetenzen. Anders als bei der Berufsunfähigkeitsversicherung steht hier nicht im Mittelpunkt, ob du deinen konkreten Beruf noch theoretisch ausüben kannst.

Es geht vielmehr darum, ob du grundlegende Fähigkeiten deines Alltags verloren hast. Sie greift immer dann, wenn dein Körper streikt – und zahlt dir eine monatliche Rente, völlig unabhängig davon, ob du noch Aufgaben in deinem Job übernehmen könntest. Der Verlust einer Grundfähigkeit muss in der Regel durch ein ärztliches Gutachten nachgewiesen werden und für einen bestimmten Prognosezeitraum andauern – oft 12 Monate oder mindestens 6 bis 12 Monate.

Ob der Grund dafür ein Unfall, Krankheiten oder Verletzungen sind, spielt für die Auszahlung keine Rolle. Ist der Leistungsfall eingetreten, fließt das Geld monatlich. Wofür du diese Rente dann verwendest – ob für laufende Lebenshaltungskosten, einen barrierefreien Umbau deiner Wohnung oder medizinische Hilfsmittel –, bleibt komplett dir überlassen.

Im Job und im Alltag bekommst du alles geregelt. Doch wie sieht es mit der finanziellen Unabhängigkeit heute und im Rentenalter aus? Mach etwas für dich und werde deine eigene Finanzministerin.

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Berufsunfähigkeitsversicherung: Unterschiede beim Schutz

Wenn es um den Schutz bei Berufsunfähigkeit und die umfassende Absicherung der Arbeitskraft geht, gilt die Berufsunfähigkeitsversicherung nach wie vor als absoluter Goldstandard. Wenn du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen – egal ob körperlich oder psychisch – zu mindestens 50 % für voraussichtlich mindestens 6 Monate nicht mehr ausüben kannst, bist du berufsunfähig. Die Prüfung ist eng an deinen Berufsalltag geknüpft. Im direkten Vergleich bietet die Grundfähigkeitsversicherung jedoch keine Kopie, sondern fungiert als sehr pragmatische Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung. 

Ein kleines Beispiel zur Verdeutlichung

Wenn du als Mathematiklehrer:in nach einem Schlaganfall Konzentrationsstörungen hast und komplexe Gleichungen nicht mehr lösen kannst, bist du höchstwahrscheinlich berufsunfähig und die Berufsunfähigkeitsversicherung würde zahlen. Bist du im Alltag noch selbstständig und deine elementaren Grundfähigkeiten wie Sprechen, Gehen oder Sehen sind intakt, gehst du bei der Grundfähigkeitsversicherung meist leer aus. 

Für wen ist der Schutz sinnvoll?

Die Grundfähigkeitsversicherung ist nicht per se besser als eine Berufsunfähigkeitsversicherung, aber eine stark wachsende alternative Form für viele Menschen. Sinnvoll ist sie besonders für Menschen folgender Berufgruppen:

  • Menschen in körperlich anspruchsvollen Berufen: Wer körperlich tätig ist, z. B. Handwerker:innen, Bauarbeiter:innen, Landwirt:innen oder Pflegekräfte, für den stufen Versicherer das Risiko sehr hoch ein. Das Risiko ist hier schließlich höher als in klassischen Bürojobs. Für körperlich arbeitende Menschen kostet die Grundfähigkeitsversicherung oft nur einen Bruchteil und ist eine klare Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung.
  • Blaulichtberufe: Polizist:innen, Feuerwehrleute oder Rettungssanitäter:innen haben ein stark erhöhtes Risiko, eine zwingend notwendige körperliche Fähigkeit zu verlieren.
  • Personen mit Vorerkrankungen: Wenn du in der Vergangenheit bereits gesundheitliche Probleme hattest, z. B. kleinere Operationen, Rückenbeschwerden oder psychische Behandlungen, fällst du bei der strengen Gesundheitsprüfung der Berufsunfähigkeitsversicherung oft durch. Aufgrund des Gesundheitszustandes und bestehender Vorerkrankungen profitieren diese Menschen davon, dass der Fragenkatalog bei der Grundfähigkeitsversicherung reduzierter und toleranter ist.
  • Selbstständige und freiberuflich tätige Personen sowie Menschen mit riskanten Hobbys wie Motorradfahrer:innen oder Kampfsportler:innen finden hier oft leichter einen Schutz ohne immense Preisaufschläge. So gelingt die Absicherung der Arbeitskraft verlässlicher.

Für kaufmännisch tätige Menschen in reinen Bürojobs, z. B. Akademiker:innen, ist die Berufsunfähigkeitsversicherung meist kaum teurer, weshalb in diesen Fällen fast immer zur Berufsunfähigkeitsversicherung raten wird.

Welche Grundfähigkeiten sind genau abgesichert?

Die Liste der Fähigkeiten variiert je nach Versicherer, wächst aber stetig. Damit du im Ernstfall umfassend abgesichert bist, zählen zu den klassischen Basisfähigkeiten:

  • Sehen, Hören und Sprechen
  • Gehen, Stehen, Sitzen, Treppensteigen
  • Bücken und Knien
  • Gebrauch der Arme und Hände (Heben und Tragen, Greifen, Halten)
  • Gleichgewichtssinn und Orientierung

Moderne Policen haben ihr Portfolio längst an den Alltag angepasst. So sind heute oft auch die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, das sichere Autofahren oder die Smartphone-Bedienung über den Touchscreen versichert.

Ein wichtiger Punkt ist jedoch eine Erkrankung der Psyche. In der einfachen Basisvariante sind psychische Erkrankungen wie Burnout oder schwere Depressionen meist nicht inkludiert, obwohl sie der Hauptgrund für Berufsunfähigkeit sind. Fällst du aufgrund einer psychischen Erkrankung im Job aus, leistet der Standard-Tarif zumeist nicht.

Viele Versicherer bieten hierfür jedoch den kostenpflichtigen Zusatzbaustein Psyche an. Damit erhältst du eine Leistung, wenn du wegen schwerer Depressionen oder Schizophrenie dauerhaft weniger als 3 Stunden täglich arbeiten kannst. Beachte: Entscheidest du dich hierfür, wird die Gesundheitsprüfung wieder strenger.

Ab wann greift der Ernstfall?

Die Theorie ist das eine, aber wann genau fließt das Geld? Du solltest genau prüfen, was versichert ist und ab wann das Geld auf dein Konto fließt. Hier sind 3 alltagsnahe Praxisbeispiele:

Ein selbstständiger Tischler aus Eimsbüttel leidet an schwerer Arthrose in den Händen. Er kann sein Werkzeug nicht mehr greifen. Die Fähigkeit „Greifen“ ist verloren. Die Grundfähigkeitsversicherung leistet sofort und zahlt ihm die vereinbarte Rente von 2.500 € monatlich. Ob Markus noch im Büro Rechnungen schreiben könnte, spielt keine Rolle.

Eine Hochzeitsfotografin arbeitet rund um die Landungsbrücken und erleidet eine schwere Erkrankung der Netzhaut. Da sie ihre Arbeit auf bestimmte visuelle Details stützt und ihr Sehvermögen unter die festgelegte Grenze von 5 % fällt, zahlt ihre Versicherung monatlich 2.000 € bis zum Rentenalter.

Eine Büroangestellte erkrankt an Multipler Sklerose. Da sie nach mehreren Schüben nicht mehr in der Lage ist, eigenständig 400 Meter am Stück zu gehen, erhält sie ihre vertragliche Leistung.

Früh übt sich: Schutz für Kinder

Zudem lohnt sich diese Versicherung extrem für Kinder, oft schon ab dem 6. Lebensmonat oder dem 3. Lebensjahr. Das bietet einen Sofortschutz, falls das Kind durch Unfall oder Krankheit ein Pflegefall wird, und – der absolute Trumpf – du kannst den Gesundheitszustand „einfrieren“. So kann das Kind zu bestimmten Zeitpunkten in eine vollwertige Berufsunfähigkeitsversicherung wechseln, meist ohne erneute Gesundheitsprüfung.

Worauf du beim Abschluss achten solltest

Wenn du planst, eine Grundfähigkeitsversicherung abzuschließen, musst du deine individuellen Risiken und Bedürfnisse genau analysieren. Die Kosten hängen vom Alter, Beruf, Gesundheitszustand und vom Leistungsumfang ab. Ein junger, gesunder Mensch mit risikoarmem Beruf zahlt oft schon ab 25 € monatlich. Ein 30-jähriger Dachdecker würde für 1.500 € Berufsunfähigkeitsrente oft um die 165 € im Monat zahlen, während die Grundfähigkeitsversicherung als Alternative oft schon für ca. 45 € monatlich zu haben ist. Expert:innen raten dazu, etwa 60 % bis 75 % deines aktuellen Nettoeinkommens als monatliche Rente abzusichern, um deinen Lebensstandard zu halten. 

Das Kleingedruckte entscheidet

Der Teufel steckt bei der Grundfähigkeitsversicherung oft in den Definitionen der Versicherungsbedingungen. Du musst vor Abschluss unbedingt prüfen, ab wann eine Fähigkeit als verloren gilt:

  • Beispiel „Gehen“: Manche Versicherer verlangen, dass du 400 Meter am Stück gehst, ohne eine Pause von mehr als 1 Minute machen zu müssen. Andere setzen ein Zeitlimit (z. B. in 20 Minuten) oder schließen die Nutzung von Gehhilfen wie Rollatoren in die Definition mit ein.
  • Beispiel „Heben und Tragen“: Die Fähigkeit gilt häufig erst als verloren, wenn du keinen 2-Kilogramm-Gegenstand – wie eine große Wasserflasche – mehr mit 1 Hand vom Tisch heben und 5 Minuten halten oder 5 Meter weit tragen kannst.
  • Beispiel „Treppensteigen“: Hier gilt oft die Regel, dass du 12 Treppenstufen nicht mehr ohne mindestens 1 Minute Pause auf- und absteigen kannst.

Fazit: Das kannst du mitnehmen

Die Berufsunfähigkeitsversicherung bleibt der Goldstandard der Absicherung der Arbeitskraft. Doch die Grundfähigkeitsversicherung ist weit mehr als nur ein Trostpreis. Besonders wenn du körperlich hart arbeitest oder aufgrund deiner Krankenakte bei der Berufsunfähigkeitsversicherung abgelehnt wurdest, ist diese alternative Form eine klare, bezahlbare und sinnvolle Option.

Anstatt einen Beruf zu versichern, sichert sie ganz pragmatisch mehrere versicherte Grundfähigkeiten ab, die du jeden Tag nutzt: deine Augen, deine Beine, deine Hände. Achte bei der Tarifauswahl zwingend auf die Definitionen im Kleingedruckten und passe den Schutz bei Bedarf durch Zusatzbausteine an deinen Alltag an.

FAQ: Fragen zur Grundfähigkeitsversicherung

Ist eine Grundfähigkeitsversicherung dasselbe wie eine Erwerbsminderungsrente?

Nein. Die staatliche Erwerbsminderungsrente zahlt meist nur einen niedrigen Betrag und greift erst, wenn du in gar keinem Beruf mehr als ein paar Stunden am Tag arbeiten kannst. Die Versicherung zahlt unabhängig von deinem Beruf, sobald eine vertraglich versicherte Fähigkeit wegfällt.

Sind psychische Krankheiten wie Burnout mitversichert?

Standardmäßig sind psychische Erkrankungen und kognitive Leiden in der Basis-Grundfähigkeitsversicherung oft nicht versichert. Bei vielen Versicherern kannst du diese Risiken aber über einen speziellen Zusatzbaustein kostenpflichtig einschließen.

Muss ich für die Grundfähigkeitsversicherung Gesundheitsfragen beantworten?

Ja, auch hier gibt es eine Gesundheitsprüfung. Diese fällt jedoch in den allermeisten Fällen wesentlich kürzer und kulanter aus als bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung, weshalb die Annahmechancen viel höher sind.

Kann ich den Vertrag später noch anpassen?

Die meisten guten Tarife bieten eine sogenannte Nachversicherungsgarantie. Das bedeutet, dass du deine monatliche Rente bei bestimmten Lebensereignissen wie Gehaltserhöhungen, Heirat oder der Geburt eines Kindes erhöhen kannst, ohne dass der Versicherer eine neue Gesundheitsprüfung verlangt. 

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