Falafel, Hummus, Taboulé – das sind hier nicht nur Gerichte. Für die Frauen von Chickpeace ist es ein Teil ihrer Kultur. „Deshalb muss alles immer tippitoppi sein“, sagt Maisaa Saloum. Die 38-Jährige ist Köchin bei dem Cateringservice mit Sitz in Harburg. Für sie und ihre Kolleginnen ist es viel mehr als nur ein Job. Sie alle sind aus ihrer Heimat geflüchtet und haben sich dank des Social Business in Hamburg eine Zukunft aufgebaut.
Wenn Maisaa in der Küche steht, Salate schnippelt, abschmeckt und noch ein wenig Zitronenschale darüber reibt, ist sie glücklich. Die Frau lächelt. „Das macht mir immer am meisten Freude.“ Schon als Chickpeace gegründet wurde, war sie dabei. „Das ist ein Teil von uns allen. Wir machen das mit viel Herz“, sagt sie.
Die Geschichte von Chickpeace begann 2016 mit dem Projekt „Buffetbegegnungen“. Geflüchtete Frauen und Hamburgerinnen trafen sich regelmäßig zum Kochen. Schon damals ging es nicht nur um Rezepte, sondern um Sprache, Begegnungen und gegenseitige Unterstützung. Aus diesem interkulturellen Austausch entstand überraschend der erste Catering- Auftrag für ein Hamburger Straßenfest.

Arabische Spezialitäten für 300 Veranstaltungen im Jahr
Für Initiatorin Manuela Maurer war das der Startschuss. Sie gründete das Social Business. Kurz darauf folgte schon die erste große Auszeichnung: der Deutsche Gastro-Gründerpreis. Heute beliefert der Cateringservice von seiner Produktionsküche im Tempowerk in Harburg aus jährlich fast 300 Veranstaltungen – von Geschäftsessen über Firmenfeiern bis zu Hochzeiten und Geburtstagen. Mehr als 100 Kunden bestellen regelmäßig, manchmal stehen gleich mehrere Aufträge am Tag an. Die Gerichte sind arabisch, jedoch für die Hamburger angepasst. „Wir essen sehr gerne sauer, aber das essen die Deutschen nicht so gerne. Also bekommt der Petersiliensalat deutlich weniger Zitrone als üblich“, sagt Maisaa und lacht.
Mit Angst und Beten über das Mittelmeer
Vor zehn Jahren kam Maisaa mit ihrem Mann und den drei Kindern nach Deutschland. Drei Monate lang hatte die Familie den Krieg in Syrien erlebt. Sie hatten ihr Haus in Aleppo verlassen und Schutz in einer Schule und Moschee gesucht. „Unser Haus wurde zerstört. Nachbarn getötet.“ Anfangs waren sie in die Türkei geflohen. Schließlich wagten sie mit 33 anderen Menschen in einem Schlauchboot die Überfahrt von der Türkei auf die griechische Insel Samos.
Bevor Maisaa am Abend in das Schlauchboot stieg, gab sie ihren Kindern Schlaftabletten. „Ich hatte Angst, dass wir sterben und wollte nicht, dass meine Kinder Schmerzen haben. Zum Glück haben sie geschlafen.“ Eine Stunde und 45 Minuten waren sie unterwegs. „Mit viel Angst und viel Beten haben wir es geschafft“, sagt Maisaa mit einem leichten Lächeln. Zwölf Tage dauerte die Flucht durch acht Länder, mit dem Bus, Zug und zu Fuß. Ihr Ziel war Wedel vor den Toren Hamburgs, wo ihr Bruder bereits wohnte.

Wir mischen das Deutsche und Arabische
Heute sind sie angekommen. Die Familie lebt in Wedel und besitzt seit drei Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft. Ihre Kinder sind ihr größter Stolz. Der Sohn macht eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann, die ältere Tochter ist auf dem Weg zum Abitur. Ihre jüngste Tochter war noch nicht einmal ein Jahr alt, als die Familie nach Deutschland kam. Dass ihre Kinder hier aufwachsen, macht Maisaa glücklich. „Wir mischen das Deutsche und Arabische. Das passt gut zusammen.“
Als Maisaa bei Chickpeace anfing, sprach sie kaum Deutsch. Sie kümmerte sich um ihre kleine Tochter und machte zusätzlich ihren B2-Sprachkurs. Eine für sie anstrengende Zeit. Heute hat sie es geschafft, sich dank ihres Jobs eine Zukunft aufzubauen. „Ich habe hier in Deutschland meinen Weg gefunden“, sagt Maisaa. Mit sechs syrischen Frauen arbeitet sie bei Chickpeace in der Küche. „Wir sind wie eine Familie und unterstützen uns sehr“, sagt sie.
Umzug ins „Neue Amt Altona“
Diese enge Verbundenheit ist es, die die Arbeit für sie so besonders macht. Die Frauen erzählen sich ihre Geschichten, teilen Sorgen, erinnern sich gemeinsam. Chickpeace will weiter wachsen. Das soziale Unternehmen unter dem Dach des Vereins Ponton 3 plant mit seiner Cateringküche ins genossenschaftliche „Neue Amt Altona“ an der Neuen Großen Bergstraße zu ziehen. Dort soll nicht nur die neue Produktionsküche entstehen, sondern auch ein eigenes Restaurant. Die „Chickpeace Cantina“, direkt in der Fußgängerzone nahe dem Bahnhof.
Wann der Umzug und die Eröffnung stattfinden werden, steht jedoch noch nicht fest. Hinzu kommt ein weiteres Zukunftsprojekt: die Chickpeace Akademie. Seit April gibt es das Bildungsangebot, in dem Geflüchtete und Frauen mit Migrationshintergrund zur „Foodservice Assistant“ qualifiziert werden. Maisaa freut sich, dass dadurch noch mehr Frauen eine Chance bekommen. Sie weiß: „Manchmal muss man kämpfen. Aber es lohnt sich. Es kommt immer eine neue Chance.“
Haspa Heimfeld unterstützt mit neuer IT

Gutes verdient Unterstützung. Mit der Aktion „Die Bessermacher“ wollen wir nicht nur engagierte Menschen zeigen. Die Projekte bekommen auch finanzielle Hilfe und langfristige Unterstützung. „Es ist beeindruckend, mit wie viel Herz, Professionalität und Zusammenhalt bei Chickpeace gearbeitet wird. So entstehen nicht nur wunderbare Gerichte, sondern auch Zukunftschancen und Integration“, sagt Ivan Pucic, Filialdirektor der Haspa Heimfeld, der die Patenschaft für das Social Business übernimmt. Der Cateringservice wird auch finanziell unterstützt. Chickpeace benötigt Tablets für die Teilnehmerinnen der neuen Akademie. Dort werden Frauen mit Fluchtoder Migrationsgeschichte ausgebildet. Die Haspa kümmert sich um die Finanzierung aus den Mitteln des Haspa-Lotteriesparens.
Text: Wiebke Bromberg




