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Aidshilfe, Christian Fricke Christian Fricke / Foto von Florian Quandt

Besssermacher Feuerwehrmann kämpft für Vielfalt

Christian Fricke will sein Glück zurückgeben und engagiert sich unter anderem bei der Aidshilfe.

Christian Fricke (46) hatte es nicht immer leicht. Als queerer Berufsfeuerwehrmann erlebte er Ausgrenzung und Spott. Und trotzdem sagt er heute: „Ich hatte oft Glück im Leben. Und wenn man Glück hat, darf man auch gerne etwas zurückgeben.“ Das tut er in etlichen Ehrenämtern – unter anderem bei der Aidshilfe Hamburg an der Langen Reihe (St. Georg).

Christian ist einer, der sagt, was er denkt und anpackt, statt zu nörgeln. Sein Motto: „Ich kann meckern und mich aufregen oder ich kann aktiv werden und etwas verändern.“ Aktiv wurde er schon früh. Bereits in der ersten Klasse begann er, sich zu engagieren. Mit 6 Jahren machte er beim Roten Kreuz im Schulsanitätsdienst mit. Später kamen Ehrenämter bei der Wasserwacht und in der Sanitätsbereitschaft hinzu.

Er merkte früh, dass sein Einsatz nicht nur anderen hilft, sondern auch ihm selbst. Er wurde glücklich dabei, lernte tolle Menschen kennen und ständig taten sich neue Möglichkeiten auf. Als er für die Abschlussfeier in der Realschule Sponsoren suchte, kontaktierte er eine örtliche Bank – und bekam neben dem Zuschuss gleich auch eine Lehrstelle zum Bankkaufmann.

Coming-out wurde plötzlich zum Problem

Doch der Beruf passte nicht zu ihm. „Auch wenn ich eine große Affinität zu Zahlen habe.“ Also schlug er einen anderen Weg ein, machte eine Ausbildung zum Rettungsassistenten und stieg dann bei der Berufsfeuerwehr in Kiel ein. Sein Coming-out lag da zwar schon Jahre zurück, doch plötzlich wurde es zum Problem. Kollegen wollten nicht mit ihm in einem Raum schlafen, Vorgesetzte bezeichneten ihn als „Schwuppe“ und führten ihn vor. Einmal bewarf ihn ein Ausbilder mit einem Stiefel im Unterricht und sagte: „Kann die Schwuppe mal aufwachen?“

Für Christian eine schwere Zeit. „Ich war kurz davor, meine Ausbildung abzubrechen“, erzählt er. Dann hatte er ein Date mit einem Mann, der sich als Sohn des Amtsleiters herausstellte. Er versicherte ihm, sein Vater werde Homophobie niemals tolerieren. Diese Rückendeckung gab Christian die Sicherheit, weiterzumachen.

Vorgesetzte zeigen klare Kante

Seit 2005 arbeitet er als Berufsfeuerwehrmann in Hamburg. Auch hier wusste man schon vor seinem ersten Tag, „dass sie die Schwuppe bekommen hatten“. Christians Bedenken waren groß. Doch seine Vorgesetzten machten sofort klar, dass sie derartiges Verhalten nicht dulden.
Christian ist glücklich in seinem Job – auch weil ihm die 24-Stunden-Schichten ermöglichen, viel Zeit für seine Ehrenämter zu haben. Und das sind einige: Neben der Aidshilfe ist er Vorstandsvorsitzender der Hamburger Regenbogenstiftung, der Förderstiftung der Aidshilfe, und Vorsitzender des Bürgervereins Hohenfelde-Uhlenhorst, der nicht nur Anwohnerinteressen vertritt, sondern auch Aktionen, Ausflüge und Reisen organisiert. Hinzu kommen Engagements im Paritätischen Wohlfahrtsverband Hamburg und beim Deutschen Roten Kreuz.

Und wann schläft er? Christian lacht: „Ich habe einen guten Kalender und die Tätigkeiten hängen irgendwie überall miteinander zusammen.“ Dass er bei der Aidshilfe landete, war Zufall. Ein Freund schleppte ihn beim CSD an den Stand zum Lose verkaufen. Christian lernte das Team kennen und blieb. Der Beginn seines Engagements vor fast 20 Jahren.

Im Magazin „Hamburgs Zukunftsmacher“ stellen wir stellvertretend für viele weitere 18 Projekte aus unserer Region vor, die die Haspa zum Teil bereits seit Jahren fördert.

Zukunftsmacher: Personen, die sich freuen

Vielfalt, Respekt und Solidarität

Mittlerweile ist er im Aufsichtsrat und für die Finanzen zuständig, damit die 12 Haupt- und etwa 140 Ehrenamtlichen ihre Arbeit machen können. „Die Aidshilfe macht sich für Vielfalt, Respekt und Solidarität stark.“ Sie bietet Beratung, Aufklärung, Infoveranstaltungen und Workshops – auch für Schulklassen. Dabei geht es nicht nur um HIV und Sexualität, sondern auch um Lebensweisen. „In Deutschland haben die Menschen mit HIV mehr Probleme mit Diskriminierung als mit dem Virus selbst. Es geht um die gesamte bunte Vielfalt.“

Besonders glücklich macht ihn, zu sehen, was das Haus an der Langen Reihe für Menschen bedeutet: ein Ort, an dem sie Stigmata vergessen können. „Das ist ein Safe Space, in dem sich niemand rechtfertigen oder verstecken muss.“ Christian berichtet von queeren Gästen, die durch den Zusammenhalt den Mut gefunden haben, rauszugehen und dazu zu stehen, wie sie sind.

Mehr Bewußtsein schaffen

Doch so viel sich verbessert hat: „Das Stigma in Zusammenhang mit HIV ist nicht verschwunden.“ Und es begegnet Betroffenen teils dort, wo sie eigentlich Sicherheit erwarten dürften. Christian berichtet von einem Einsatz mit einem Patienten, der schwere Atemnot hatte. Als die Ärztin erfuhr, dass der Mann HIV-positiv ist, sprang sie zurück und zog sich ein zweites Paar Handschuhe an. „Ich konnte das nicht glauben“, sagt Christian. „Mit guter Medikation kann man heute relativ normal leben und ist nicht ansteckend.“ Dass selbst Mediziner das nicht wüssten, zeige ihm, wie viel noch zu tun sei. „Unsere Arbeit ist lange nicht zu Ende. Wir müssen noch viel mehr Bewusstsein schaffen und Wissen vermitteln.“

Haspa unterstützt Aidshilfe und ermöglicht Grillfest für die Ehrenamtlichen

Bessermacher Eine Aktion von MOPO und HASPA

Gutes verdient Unterstützung. Mit der Aktion „Die Bessermacher“ wollen wir nicht nur engagierte Menschen zeigen. Die Projekte bekommen auch finanzielle Hilfe und langfristige Unterstützung. Sabrina Stindl, Filialdirektorin der Haspa Hamburger Meile, macht sei etwa 5 Jahren gemeinsam mit Christian Fricke im Bürgerverein Hohenfelde-Uhlenhorst Quartiersarbeit. „Christian hat coole, innovative Impulse, die auch mal außerhalb der Norm sind. Er ist ein total offener und engagierter Typ, der es versteht, Menschen miteinander zu verbinden. Da helfen wir gerne.“ Die Aidshilfe wird auch finanziell unterstützt. Es soll ein Grillfest für die etwa 140 engagierten Ehrenamtlichen stattfinden. Die Haspa kümmert sich um die Finanzierung aus den Mitteln des Haspa-Lotteriesparens.

Text: Wiebke Bromberg

Aidshilfe, Christian Fricke und Sabrina Stindl, Filialdirektorin der Haspa Hamburger Meile.
Christian Fricke mit Sabrina Stindl / Foto von Florian Quandt

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