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Lächelnd blicken Hannah Turay (18) und Emiliano Ravens (19) in das Bettchen ihrer kleinen Tochter. Wochen voller Sorgen und Hoffnung liegen hinter den jungen Eltern. Ihre kleine Sophia kam fast 13 Wochen zu früh mit gerade einmal 990 Gramm im Kinderkrankenhaus Wilhelmstift (Rahlstedt) zur Welt. Heute wiegt sie fast drei Kilogramm und darf endlich nach Hause. Doch was passiert, wenn Frühchen wie Sophia die Klinik verlassen und keine Pflegekräfte mehr sofort zur Stelle sind? Dann helfen Ute Leenen (60) und ihre Kolleginnen von der Stiftung „SeeYou“ dabei, dass aus Ausnahmezustand langsam Alltag werden kann.
Die Mitarbeitenden der Stiftung begleiten Familien mit Frühgeborenen, chronisch oder schwer kranken Kindern nach der Entlassung aus der Klinik. Denn dann beginnt für viele Eltern eine schwierige Phase. Keine Hilfe auf Knopfdruck mehr, keine festen Abläufe. Stattdessen ein winziges Baby, das vielleicht eine Magensonde braucht oder einen Monitor. Dazu Geschwisterkinder, Haushalt, Schlafmangel, Arzttermine, Papierkram. „Selbst gut aufgestellte Familien sind in dieser Situation häufig sehr gefordert“, sagt Ute.

Hier: Ute Leenen, SeeYou am Wilhelmstift Kinderkrankenhaus
Nichts ist so, wie man es sich vorgestellt hat
Seit 40 Jahren ist sie Kinderkrankenschwester, seit 18 Jahren Nachsorgeschwester bei „SeeYou“. Die 2004 von Kinderarzt Sönke Siefert gegründete Stiftung begleitet jährlich mehr als 2500 Familien. Was mit wenigen Kinderkrankenschwestern begann, die einmal pro Woche freigestellt wurden und Frühgeborene und kranke Kinder zu Hause besuchten, ist heute ein multiprofessionelles Team aus Pflegekräften, Kinderarzt, Psychologin und Sozialpädagogin. Zwölf Mitarbeitende sind in der sozialmedizinischen Nachsorge tätig. Hinzu kommen 20 Babylotsinnen, die die Familien bereits in der Schwangerschaft und rund um die Geburt unterstützen, sie stärken und passende Hilfe vermitteln.
Manche der Babys, die Ute betreut, wogen bei der Geburt nicht einmal 500 Gramm. Geboren in der 24. Schwangerschaftswoche. Viele Eltern fühlen sich aus ihrer Schwangerschaft „herausgerissen“. Statt Babybauch und Vorfreude Intensivstation und große Sorgen. „Manche können kaum glauben, dass dieses winzige Wesen wirklich ihr Kind ist. Nichts ist so, wie man es sich vorgestellt hat. Das ganze Familiensystem ist auf den Kopf gestellt.“ Frühchen unter der 32. Woche, Babys und Kinder mit schweren Erkrankungen, Down-Syndrom, Diabetes oder Fehlbildungen können Nachsorge bekommen. Und in Ausnahmefällen, wenn Kinderarzt oder Klinik vermitteln, sogar Kinder bis zum 18. Lebensjahr.
Eltern fit machen für den Alltag
Die Kosten für Vor- und Nachbereitung, Fahrzeiten und Administration stemmt die Stiftung über Spenden. Die Besuche werden in der Regel von den Krankenkassen finanziert. Meist werden 20 Stunden innerhalb von zwölf Wochen bewilligt. Klingt erst einmal nicht viel, doch diese Stunden können entscheidend sein. Ute besucht die Familien schon vor der Entlassung in der Klinik. Danach kommt sie meist ein bis zwei Tage später nach Hause.
In manchen Fällen beginnt es schon mit der Grundausstattung, wenn Eltern von der Geburt überrascht wurden und nicht mal ein Bettchen für das Baby zu Hause haben. Ute zeigt Handgriffe, beruhigt, organisiert Termine beim Kinderarzt, sucht Physiotherapie oder Frühförderung. Sie spricht mit Hebammen, begleitet bei Bedarf zu Arztterminen. „Wir stärken Eltern darin, selbst sicherer zu werden. Unser Ziel ist es, die Eltern fit zu machen für ihren Alltag“, sagt sie. Auch Familien, deren Kind an Diabetes erkrankt ist, begleitet das Team mit speziell geschulten Pflegekräften, die den Umgang mit Pumpen und Sensoren erklären. Selbst Erzieher oder Großeltern werden geschult.

Hier: Ute Leenen, SeeYou am Wilhelmstift Kinderkrankenhaus
Ein wertvoller Dienst an der Gesellschaft
Oft plagt die Mütter ein schlechtes Gewissen. „Viele fragen sich, ob sie etwas falsch gemacht haben“, erzählt Ute. Dazu kommt die Belastung für Geschwisterkinder. Sie erinnert sich an Eltern, die bereits zwei Kinder hatten und dann ein Baby mit Down-Syndrom bekamen. Eine Diagnose, die in der Schwangerschaft trotz Untersuchungen nicht erkannt worden war. Ein großer Schock für die Eltern. Zu sehen, wie das Kind mit der Zeit zu einem selbstverständlichen Teil der Familie wurde, machte die Nachsorgeschwester sehr glücklich.
Besonders berührt Ute häufig der letzte Hausbesuch. „Ich komme den Familien sehr nahe und sie wachsen mir ans Herz“, sagt die Mutter von drei erwachsenen Kindern, die in Volksdorf lebt. Sich von den Familien zu verabschieden, fällt ihr manchmal schwer. Doch wenn am Ende alles organisiert ist, ist sie zufrieden. „Wenn die Eltern sich Hilfe holen können und Sicherheit gewonnen haben, dann sind wir glücklich.“ ein wertvoller Dienst an der Gesellschaft.
Haspa Jungfernstieg unterstützt mit Baby-Grundausstattungen

Gutes verdient Unterstützung. Mit der Aktion „Die Bessermacher“ wollen wir nicht nur engagierte Menschen zeigen. Die Projekte bekommen auch finanzielle Hilfe und langfristige Unterstützung. Die Mitarbeitenden nehmen sich Zeit für die Familien und schauen genau hin. Das unterstützen wir sehr gerne“, sagt Christina Messolle, Filialdirektorin der Haspa Hammer Steindamm. Sie übernimmt die Patenschaft für die Stiftung, die bereits von der Filiale unterstützt wurde. Damals wurde der Erlös einer Buchvorstellung an „SeeYou“ gespendet. Die Stiftung wird erneut finanziell unterstützt. Die Mitarbeiterinnen benötigen immer wieder Gutscheine für die Eltern, damit sie Windeln, Babynahrung und Grundausstattung für ihre Babys besorgen können.Die Haspa kümmert sich um die Finanzierung aus den Mitteln des Haspa-Lotteriesparens.
Text: Wiebke Bromberg




