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Früher war Sleepy erfolgreicher Hip-Hop-Produzent, arbeitete mit Xavier Naidoo, Samy Deluxe und Die Prinzen. Doch die Zeiten von Hits und Rampenlicht sind vorbei. Heute bezeichnet sich Marc Wichmann (52) selber als „eine Art Hip-Hop-Sozialarbeiter“. Im Haus der Jugend an der Steinikestraße (Harburg) kümmert er sich um Jugendliche, die im Leben ordentlich Gegenwind haben. Denn er weiß selber, wie sich das anfühlt.
Lässig fläzt sich der Mann mit dem schwarzen Cap auf einen Bürostuhl. Er fasst sich ans Ohr. „Tinnitus“, sagt er und verzieht lächelnd das Gesicht. Den hat ihm Samy Deluxe vor vielen Jahren bei einem Auftritt in Kiel verpasst, als er das Mikro direkt in die Box hielt. „Das gab das Feedback des Jahrhunderts. Alarmstufe 5.“
Seitdem sei das Ding in seinem Ohr. „Solange das da piepst, denk ich mir, alles klar, ich lebe noch“, sagt Sleepy, der eigentlich Marc Wichmann heißt. Marc sagt nur noch seine Mutter. Selbst seinen eigentlichen Künstlernamen „Sleepwalker“ benutzt keiner mehr. So wurde er früher genannt, weil er nachtaktiv gewesen sei und tagsüber unheimlich viel geschlafen habe. Samy Deluxe fing an ihn Sleepy zu nennen, als sie damals den erfolgreichen Song „Weck mich auf“ machten.
Hip-Hop-Kultur stärken
Viel hat sich seitdem verändert. Schon 2020 wurde die „HipHop Gang“, ein Netzwerk von Leuten aus der Szene, gegründet, um die Hip-Hop-Kultur zu stärken. „Wir wollen Kids von der Straße holen und ihnen eine bessere Perspektive bieten. Mit Mucke machen, Graffiti und allen Elementen der Hip-Hop-Kultur.“ Dabei geht es um Kinder, die es „etwas schwieriger haben im Leben“.
Als erfolgreicher Produzent gefeiert, engagierte sich Sleepy schon 2002 das erste Mal. In seiner eigenen Schule in Schenefeld (Kreis Pinneberg) macht er einen Workshop. „Die sind da alle durchgedreht, als ich aufgetaucht bin.“ Warum er sich überhaupt engagiert? Der Mann mit der lässigen Miene lehnt sich auf seinem Stuhl zurück. Er überlegt. „Keine Ahnung. Ich habe es einfach gemacht. Habe ich nicht darüber nachgedacht.“

Hier: Rapper „Sleepwalker“ alias Marc Wichmann von der Hip Hop Gang im Haus der Jugend Harburg
Hier mit Nachwuchs-Talenten Milo (19, Mitte) und Zeko (20)
Kostenlose Workshops
Und warum er dabeigeblieben ist? „Es macht einfach derbe Spaß, die gleiche Leidenschaft, die ich als Produzent hatte, auf die Jugendlichen zu übertragen. Viele fangen das Feuer. Das ist das Geilste der Welt.“ Seit November gibt es die „HipHop Gang“ im Haus der Jugend an der Steinikestraße. Der erste feste Standort konnte durch die Hilfe des Bezirks- und Jugendamts nach sechs Jahren Workshops und Projektwochen an Schulen bezogen werden. Räume im Keller mit kleinem Tonstudio, in dem Sleepy und sein Freund, Rap-Urgestein „Mr. Schnabel“, Songs mit den Jugendlichen kreieren.
Drei Tage die Woche werden kostenlose Workshops für Zehn- bis 27-Jährige geboten. „Das Wichtigste ist, dass alle Ideen von den Kindern und Jugendlichen kommen. Wir vermitteln Grundwissen und setzen das dann gemeinsam um.“ Sleppy spricht die Sprache der Jugendlichen. Dadurch vertrauen sich ihm viele an. Die meisten kommen aus sozial schwachen Familien mit wenig Perspektiven. Sie erleben Mobbing, Probleme in der Schule, Gewalt in der Familie. Manche sind hochaggressiv.

Hier: Rapper „Sleepwalker“ alias Marc Wichmann von der Hip Hop Gang im Haus der Jugend Harburg
Negative Energie in positive umwandeln
Ein Junge geht Sleepy nicht aus dem Kopf. „Eines der krassesten Talente, die ich je hatte.“ Er sprach immer wieder davon, wem er eine reinhauen wolle, drohte mehrfach ernsthaft seinen Nachbarn umzubringen. Einmal kam er mit Wunden an den Händen zum Workshop und erklärte, er habe vier Stunden im Wald gegen Bäume geboxt. „Zum Teil ist das schon sehr auffällig. Dann vermitteln wir auch an andere Hilfsangebote weiter.“
Wie es sich anfühlt, aus der Spur zu geraten, weiß der Produzent. Zweimal flog er wegen aggressiven Verhaltens von Schulen. „Ich weiß, wie sich dieser ganze Stress anfühlt, obwohl ich nicht aus einem schlechten Umfeld komme.“ Nach der Hauptschule fand Sleepy durch das Musikmachen zurück in die Spur und machte seinen Realschulabschluss nach.
Heute sagt er: „Hip-Hop hat irgendwie mein Leben gerettet.“ Er hofft, dass es auch das Leben der Jugendlichen verändert. „Wir nehmen diese ganze Scheiße und stecken sie in die Musik. Negative Energie in positive umwandeln – das ist Hip-Hop.“ Zu sehen, wie aus schüchternen Kindern selbstbewusste Musiker werden, macht Sleepy besonders glücklich.
Haspa unterstützt Projekt seit Jahren und finanziert Tonstudio-Equipment

Gutes verdient Unterstützung. Mit der Aktion „Die Bessermacher“ wollen wir nicht nur engagierte Menschen zeigen. Die Projekte bekommen auch finanzielle Hilfe und langfristige Unterstützung. Die Haspa und die Haspa Musik Stiftung fördern Sleepy’s Projekte schon viele Jahre. Für die neuen Räume im Haus der Jugend wurden unter anderem Möbel aus dem Filialumbau zur Verfügung gestellt. „Hip-Hop verbindet und macht stark – genau das, was wir in Harburg noch viel mehr brauchen“, sagt Andreas Römer, Filialdirektor der Haspa in Harburg. Für die neuen Räume im Haus der Jugend braucht die „HipHop Gang“ noch Equipment für das Tonstudio. Die Haspa hilft und kümmert sich um die Finanzierung aus den Mitteln des Haspa-Lotteriesparens.
Text: Wiebke Bromberg
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